Vom jungsteinzeitlichen Bauern
zum keltischen Gutsherren
Vermutlich war die Oststeiermark bereits vor mehr als 100.000
Jahren besiedelt. Direkte Nachweise für die Einwanderung einer bäuerlichen Bevölkerung
sind rund 6000 Jahre alt. Großflächige Rodungen waren der Beginn der Umwandlung der
ursprünglichen Naturlandschaft in die heutige Kulturlandschaft. Der frühe Ackerbau und
die Viehzucht prägten von nun ab das Landschaftsbild. Über 30 Fundstellen belegen die
dichte Besiedelung des Landes in der späten Jungsteinzeit. Bescheidene Spuren verraten
eine weitere kontinuierliche Entwicklung in der Bronzezeit bis in die Zeit um 1200 v. Chr.
In der Folge kam es in der Urnenfelderzeit zu einem
unerhörten Aufschwung, dessen Gründe noch genauer zu erforschen sind. Auf markanten
Bergen entstanden befestigte Höhensiedlungen, von denen einzelne bereits stadtartigen
Charakter hatten sowie zahlreiche Dörfer. Die Funde lassen auf weiträumige Beziehungen
zwischen den "Urnenfelderleuten" und dementsprechende Verkehrswege schließen.
Im 8. Jahrhundert v. Chr. kam es zu einem vorerst nicht
näher erforschten Siedlungsrückgang, der möglicherweise auf politische und
wirtschaftliche Veränderungen zurückzuführen ist. Es gibt einige Indizien, die für
Einfälle von Reitervölkern aus dem Osten sprechen. Ein weiterer Grund könnte eine
deutliche Klimaverschlechterung in ganze Europa gewesen sein. Dennoch blieben die
wichtigsten Siedlungen auch in der Hallstattzeit bestehen und lassen deutlich erste
Herrschaftsstrukturen erkennen.
Eine neue Blüte, deren Höhepunkt zweifellos im 1.
Jahrhundert erreicht war, erlebte das Land in der Zeit des freien Keltentums. Zumindest
seit damals spielt die Grenze zwischen Norikum und Pannonien - die heutige Landesgrenze -
eine ganz wesentliche Rolle. Im Königreich Norikum hatten die "steirischen"
Kelten ein gewichtiges Wort mitzureden. Balanos, ein in schriftlichen Quellen des 2.
Jahrhunderts v. Chr. genannter keltischer Fürst, könnte ein "Oststeirer"
gewesen sein. Neben kleinen befestigten Bergstädten gab es offenbar eine große Zahl von
Gutshöfen. Einer der Gutsherren dürfte jener Ressimarus gewesen sein, der auf einem
bereits römerzeitlichen Grabstein aus Altenmarkt genannt wird.
Um das Jahr 16/15 v. Chr. wurde das Königreich Norikum Teil
des römischen Weltreiches. Die Noriker fügten sich ohne nennenswerten Widerstand der
römischen Herrschaft. Es folgte eine lange Periode friedlicher Entwicklung, die erst kurz
nach der Mitte des 2. Jahrhunderts ein Ende fand. Eine schreckliche Seuche entvölkerte
ganze Landstriche. Das ermöglichte den Einfall germanischer Scharen in die geplagten
Provinzen. Erst nach langer Zeit erholte sich das Land einigermaßen, um schließlich in
den Wirren der Völkerwanderungszeit unterzugehen. |