Die Handwerksstadt
Schon mit den ersten Siedlern dürften Handwerker zu Ende des
12. Jahrhunderts in das neugegründete Fürstenfeld zugewandert sein. Die Erweiterung zur
Stadt mit dem großen Marktplatz ging einher mit einer Steigerung gewerblicher Tätigkeit,
die zur Gründung erster Handwerkereinungen führte. In einer Urkunde von 1265, die von
einem Streit der Fürstenfelder Bürger mit der Kommende berichtet, werden erstmals einige
Handwerker namentlich erwähnt. Im Verlaufe des 14. und 15. Jahrhunderts verbanden sich
die Einungen zu Bruderschaften, die das religiöse und karitative Wirken förderten und
mehr zünftische Selbstverwaltung boten. Strenge Ordnungen wurden eingeführt, um die Zahl
der Werkstätten am Ort, die Zahl der Gesellen pro Werkstatt, die Qualität der Arbeit,
die Preisgestaltung u.a.m. zu regulieren und das sittliche Verhalten der Mitglieder zu
kontrollieren. Den Zechmeistern als Vorstände der Bruderschaften oblagen diese Aufgaben
und sie übten in Streitfällen sogar eine gewisse Gerichtsbarkeit aus. Herzog Ernst
förderte mit einem 1418 erlassenen Verbot aller Handwerker auf dem Lande (ausgenommen nur
Schneider und Schuster) die Konzentrierung des Handwerks in den Städten und seine
Einbindung in das Bürgertum.
Hundert Jahre später wurden die starren Ordnungen der
Zünfte vom Landesfürsten als wachstumshemmend empfunden, weshalb König Ferdinand I.
1527 mit der ersten österreichischen Gewerbeordnung die Autonomie der Zünfte und ihre
Satzungen aufhob. Die Gewerbeberechtigung verlieh hinkünftig die staatliche Behörde, die
Satzungen mussten vom Regenten genehmigt werden.
Fürstenfelder Handwerksordnungen sind erst seit dem 17.
Jahrhundert vorhanden. Sie entstanden im Geiste der religiösen Erneuerung in der Zeit der
Gegenreformation und zielten auf eine glaubensmäßige Einbindung der Handwerke ab.
In bis zu 40 Prozent werden Rechte und Pflichten, Gebote und
Verbote des jeweiligen Handwerks genau abgehandelt. Folgende Zünfte erhielten in
Fürstenfeld damals neue Ordnungen: die Hafner, Leinweber, Müller, Bäcker, Fleischer,
Maurer, Schneider, Schuster, Hufschmiede und Wagner sowie die Lederer, Tischler,
Schlosser, Büchsenmacher und Büchsenschiffer waren in einer Innung vereinigt. Wir
ersehen daraus, dass sich ein starkes Gewerbeleben entwickelt hatte, was mit dem
Grenzhandel aber auch der Rolle als Garnisonsstadt zusammenhing. Noch 1845 ließen sich
die Fürstenfelder Hufschmiede eine neue Prozessionsfahne machen. 1859 aber erfolgte die
endgültige Auflösung der Zünfte und die Freisetzung der gewerblichen Wirtschaft in
Österreich. |
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