Die Handelsstadt
Die meisten Bürger von Fürstenfeld besaßen früher neben
dem Handwerk, das sie in der Stadt ausübten, auch Äcker, Wiesen und Weingärten in der
Umgebung, deren Erträgnisse sie verkaufen konnten. Die wohlhabenderen unter ihnen
betrieben sogar große Landwirtschaften und handelten mit Getreide, Wein, Safran etc.
Schon in den ersten Urkunden bestätigten die jeweiligen Landesfürsten, angefangen mit
dem Babenberger Herzog Leopold VI. der Stadt Maut- und Zollfreiheit beim Verhandeln ihrer
Waren und spezielle Priviliegien beim Verkauf von Wein und Most. Ein Konkurrent im
Viktualienhandel war die Johanniter-Kommende, der aus ihrem Grundbesitz auch umfangreiche
Erträge zufielen. Das hatte im Mittelalter zu mehreren Streitigkeiten mit der
Bürgerschaft geführt.
Mit dem Vordringen der Türken wurde allgemein der Handel mit
dem Osten erschwert. Dennoch profitierte Fürstenfeld von seiner Grenzlage durch die engen
Verbindungen zum Nachbarn Ungarn, von dem vor allem Wein, Vieh und Getreide gegen
steirisches Eisen eingeführt wurde. Diese günstige Lage an der "Ungarstraße",
einem der wichtigen Fernhandelswege, bewog im 17. Jahrhundert eine Reihe von Kaufleuten
und Wanderhändlern vor allem aus Friaul sich trotz anfänglichen Widerstandes der
Bürgerschaft in Fürstenfeld niederzulassen. Von ihnen brachten es einige zu
beträchtlichem Wohlstand, wie z. B. Oswald Maress oder Johann Chr. Liscutin, der
Begründer der Tabakfabrik in Fürstenfeld. Ihre Waren bezogen die heimischen
Großhändler aus allen Teilen Europas und aus Übersee über Hamburg, Amsterdam, Venedig,
weiters von Leipzig, Nürnberg, Wien, aus dem obersteirischen Eisengebieten und vor allem
aus Ungarn. Ihre Absatzgebiete waren die Oststeiermark und Westungarn.
Mit der Zurückdrängung der Türken durch die kaiserliche
Armee intensivierte sich um 1700 der steirische Handel nach dem Osten und Südosten. Dabei
bildeten Eisenwaren, vor allem Sensen und Sicheln, den wichtigsten Exportartikel, der bis
Rußland verkauft oder gegen Pelze getauscht wurde. Allerdings hatte Fürstenfeld an
diesem Fernhandel keinen Anteil mehr. Dennoch mehrte sich der Wohlstand der Bürger im 18.
Jahrhundert durch die Einkünfte von den Garnisonstruppen, die zu versorgen waren. Mit den
Franzosenkriegen und ihren finanziellen Belastungen erfolgte ein Rückschlag, der im 19.
Jahrhundert durch ein neues Unternehmertum und eine Ausweitung der Tabakproduktion wieder
wettgemacht werden konnte.
|
|