Die wachsende Stadt
Mit der Auflassung der Festungswerke 1773, deren Wälle von
der Stadt an mehrere Bürger verpachtet wurden, sowie mit dem Bau einer neuen Tabakfabrik
1776/80 auf der Schlossbastei, waren die ersten Schritte zur Stadterweiterung gesetzt
worden. 1791 fand eine entscheidende Regulierung des Magistrates statt, die auf mehr
Fachkompetenz abzielte: an seiner Spitze stand nun ein im Verwaltungswesen erfahrener
Finanzexperte mit drei Räten, von denen einer Jurist, einer Finanzexperte, der dritte
Bausachverständiger sein sollte. Bis dahin war ein Stadtrichter mit bis zu zwölf auf
Lebenszeit gewählten Räten dem Gemeinwesen vorgestanden.
Die Franzosenkriege mit ihren Durchmärschen, Einquatierungen
und Kontributionen bedeuteten eine arge Belastung für die Stadt, von der sie sich in der
folgenden Biedermeierzeit langsam erholte. Wir bemerken eine allmähliche
Gewichtsverlagerung in die Vorstädte; symptomatisch dafür ist der Abbruch des Ungartores
1839, um den Verkehr von der Tabakfabrik zu ihren Magazinen in der Ungarvorstadt zu
erleichtern. Das Revolutionsjahr 1848 führte auch in Fürstenfeld zu wichtigen
Veränderungen. Von bleibender Bedeutung war, dass der Bauer jetzt in seinen Rechten
gleichgestellt wurde und die vom Staat gänzlich übernommene öffentliche Verwaltung
durch eine Bezirkseinteilung neu geregelt wurde. Fürstenfeld wurde Hauptstadt eines
neugeschaffenen Bezirkes, der weitgehend dem heutigen entsprach und erhielt ein
Bezirksgericht und Steueramt. In der Folge wurden weitere Einrichtungen geschaffen, die
die Stadt voranbrachten: die Sparkasse 1861, das Telefonamt 1869, im selben Jahr der Bau
der Kanalisation, 1880 die Badeanstalt. Zugleich wurden die schulischen Verhältnisse
verbessert und eine Reihe von Firmengründungen ermöglicht. Von diesen sind die
Seifensiederei des Josef Sutter, der auch als Landwirt im Hopfenanbau und als
Landtagsabgeordneter in der Politik erfolgreich war und die Brauerei und Branntwein- und
Limonadenerzeugung der Brüder Pferschy hervorzuheben.
Eine besondere Belebung der wirtschaftlichen Entwicklung der
Stadt brachte die Anbindung an das Eisenbahnnetz mit der Fertigstellung der Lokalbahn
Fehring-Fürstenfeld, die wenige Jahre später nach Hartberg bzw. Neudau fortgesetzt
wurde. Damit konnte die industrielle Revolution wenn auch mit Verspätung in der
überwiegend agrarischen Oststeiermark Einzug halten. 1904/05 erhielt Fürstenfeld ein
städtisches E-Werk und ein Wasserwerk. 1906 wurde es in das allgemeine Fernsprechnetz
einbezogen. 1905/10 entstand das Landeskrankenhaus, die evangelische Kirche u.a. Diese
rege Bautätigkeit war verbunden mit einer Bevölkerungsvermehrung, die zwischen 1880-1910
von 3.378 auf 5.507 angewachsen war, während die Zahl der Häuser im selben Zeitraum von
368 auf 600 anstieg. |
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