Die Festungsstadt
Im Mittelalter wurde Fürstenfeld durch eine Ringmauer
gesichert, die mit fünf Stadttürmen verstärkt war. Drei davon befanden sich an der vom
Gelände her ungeschützten Südseite. In deren mittlerem, der früher
"Mitterturm" und "Swartz-Turm" genannt wurde und sich als einziger
erhalten hat, befindet sich der hier besprochene Teil der Ausstellung. Wegen der
anstiegenden Türkengefahr wurden 1524 Reparaturen an der alten Stadtmauer durchgeführt.
Jedoch empfanden die Bürger den Schutz nicht mehr ausreichend und baten die Regierung
wiederholt um eine zeitgemäße Befestigung.
1556 endlich beauftragte König Ferdinand I. den aus Lugano
stammenden Baumeister Domenico dell'Allio, der auch an der Grazer Stadtbefestigung gebaut
hatte. Er plante eine Anlage in der sogenannten altitalienischen Manier mit vorgezogenen
Basteien und Kurtinen. Aus Kostengründen lehnte er sich unmittelbar an die Ringmauer an,
ohne eine Erweiterung des mittelalterlichen Stadtkernes vorzunehmen. In einer durch
Geldmangel und Ausführungsfehler immer wieder stockenden Bautätigkeit, die bis 1581
reichte, wurden immerhin die vier Eckbasteien (Kloster-, Ungar-, Schloss- und Mühlbastei)
sowie die beiden Torhäuser im Westen (Grazertor) und Osten (Ungartor) samt den
verbindenden Kurtinenmauern ausgeführt. Nur an der langen Nordseite am Steilabhang zur
Feistritz wurde die mittelalterliche Ringmauer ganz belassen und mit einem erweiterten
hölzernen Wehrgang versehen. In einer zweiten Bauphase bald nach 1650 wurden die
Vorbastei unterhalb der Schlossbastei und die vorspringende Plattform zwischen Kommende
und Mühlbastei errichtet.
Die große Türkenoffensive löste eine nachträgliche
Bauphase 1663/64 aus, in der die Mittelbastei (Kavalier) an der Südseite samt dem
vorgelegten Graben mit gedecktem Weg ausgeführt wurde. Zudem wurde die Grazer Vorstadt
zur Gänze abgerissen. Jetzt erst war der hundert Jahre zurückliegende Plan von
dell'Allios Nachfolger Francesco Thebaldi verwirklicht. Weitergehende Vorschläge des
kaiserlichen Festungsbaumeisters Martin Stier, wie die beiden Hornwerke an der Ost- und
Westseite, kamen nicht mehr zur Ausführung. 1775 erfolgte die Auflösung des
Festungswerkes, von dem sich Teile der Schloss-, Mühl- und vor allem der Ungarbastei, des
Erdkavaliers hinter der Pfeilburg und das mehrmals umgebaute Grazertor (das heutige
Rathaus) erhalten haben. |
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