Die umkämpfte Stadt
Um eine gedeihliche Entwicklung der Stadt zu fördern,
verliehen ihr die Landesfürsten einträgliche Maut- und Zollprivilegien. Nach dem
Ungarneinfall von 1418, bei dem die Umgebung der Stadt arg verwüstet worden war, erteilte
Herzog Ernst den Fürstenfelder Bürgern zusätzlich das Privileg zum Verkauf von Wein und
Most, weil "dieselb unser Stadt an dem Gemarkh gen Ungarn liegt und von unseren
Widersachern mehr Anfall und Beschwerung hat denn andere unser Städte in unserem
Fürsthum Steyer". Diese Feststellung sollte sich in den kommenden Jahrzehnten noch
bitter bewahrheiten. 1469 wurde die Stadt von den Truppen des Adelsaufstandes unter
Andreas Baumkircher belagert, durch Verrat eingenommen und die zu Hilfe kommende
kaiserliche Streitmacht vor den Toren der Stadt besiegt. Schlimmeres passierte 1480, als
Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus, der mit Kaiser Friedrich III. in
Streit lag, Fürstenfeld nach Kampf eroberten und in Brand steckten. Viele Bürger wurden
weggeschleppt und die Stadt an den Rand des Ruins gebracht. Die Aufbauarbeiten wurden
durch drei Brände 1504, 1509 und 1539 schwer behindert. Ein amtlicher Bericht von 1543
zählt auf, dass fast alle Häuser verödet waren.
Der Festungsbau ab 1556 brachte eine gewisse wirtschaftliche
Belebung für die Stadt. Dennoch versagte sie bei der nächsten Kraftprobe anlässlich des
Bocskay-Aufstandes 1605. Damals waren ungarische Haiduken, Türken und Tataren in die
Oststeiermark eingefallen, hatten furchtbaren Schaden angerichtet und am 28. 5. kampflos
Fürstenfeld eingenommen. Die Stadt war von ihren Bürgern verlasssen worden, nachdem
Stadtkommandandt Jonas von Wilfersdorf vergeblich um militärische Unterstützung in Graz
gebeten hatte. Der Feind plünderte und zerstörte ungehindert, wobei 92 Häuser mit dem
Rathaus verbrannten, Pfarrkirche, Kloster und Kommende verwüstet wurden. Wiederum, wie
schon 1480, war die Stadt in ihrer Entwicklung zurückgeworfen worden. |
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